Wenn dein Internet extrem langsam ist, liegt das in den meisten Fällen nicht am Tarif, sondern an Störungen im Heimnetz, veralteter Hardware oder falschen Einstellungen. Eine zu geringe WLAN-Qualität, überlastete Router oder ungünstige Frequenzwahl bremsen die Verbindung oft stärker aus als der Anbieter selbst. Mit einer strukturierten Prüfung kannst du die Geschwindigkeit deutlich verbessern, ohne sofort den Tarif zu wechseln.
Laut aktuellen Messungen liegt die durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit in deutschen Haushalten je nach Anschlussart zwischen 50 und 250 Mbit/s. Kommen bei dir dauerhaft nur 5 bis 10 Mbit/s an, obwohl 100 Mbit/s gebucht sind, stimmt etwas nicht. Wichtig ist, systematisch vorzugehen und nicht nur einzelne Einstellungen wahllos zu ändern.
Erste Prüfung: Liegt es am WLAN oder am Anschluss?
Bevor du Einstellungen veränderst, solltest du klären, wo das Problem entsteht. Verbinde deinen Computer testweise direkt per LAN-Kabel mit dem Router. Führe danach einen Geschwindigkeitstest durch.
Wenn die Geschwindigkeit per LAN deutlich höher ist als im WLAN, liegt das Problem fast sicher an Funkstörungen oder falschen WLAN-Einstellungen. Bleibt die Verbindung auch per Kabel extrem langsam, kann es an folgenden Punkten liegen:
• Leitungsstörung oder Drosselung
• Überlasteter Router
• Veraltete Firmware
• Tarifproblem oder Anschlussfehler
In vielen Haushalten entstehen Engpässe durch parallele Nutzung. Streaming in 4K benötigt etwa 25 Mbit/s, Online-Gaming zusätzlich stabile Latenzzeiten unter 30 ms. Mehrere gleichzeitige Streams können einen 50-Mbit-Anschluss schnell ausreizen.
Router neu starten und prüfen
Ein einfacher Neustart kann Wunder wirken. Router laufen oft wochenlang ohne Unterbrechung, was Speicherprobleme oder interne Fehler begünstigt.
Gehe dabei so vor:
Schalte den Router vollständig aus.
Warte mindestens 60 Sekunden.
Starte das Gerät neu und warte, bis die Internetverbindung wieder steht.
Prüfe anschließend im Router-Menü, ob eine neue Firmware verfügbar ist. Hersteller veröffentlichen regelmäßig Updates, die Stabilität und Geschwindigkeit verbessern.
WLAN optimieren: Kanal, Frequenz und Position
WLAN-Probleme sind eine der häufigsten Ursachen, wenn das Internet extrem langsam wirkt. Besonders in Mehrfamilienhäusern überlagern sich viele Netzwerke.
Wichtige Optimierungsschritte:
• Router möglichst zentral in der Wohnung platzieren
• Nicht direkt neben Metall, Fernsehern oder Mikrowellen aufstellen
• 5-GHz-Band nutzen, wenn möglich
• Automatische Kanalwahl aktivieren oder manuell einen freien Kanal wählen
Das 2,4-GHz-Band hat eine höhere Reichweite, ist aber anfälliger für Störungen. Das 5-GHz-Band bietet höhere Geschwindigkeiten, jedoch geringere Reichweite. In vielen Fällen verbessert der Wechsel auf 5 GHz die Performance deutlich.
Geräte prüfen und Bremsen erkennen
Nicht immer ist der Router schuld. Auch einzelne Geräte können das Netzwerk ausbremsen. Alte Smartphones oder Notebooks unterstützen oft nur langsame WLAN-Standards wie 802.11n. Moderne Router arbeiten mit Wi-Fi 5 oder Wi-Fi 6 und erreichen theoretisch mehrere hundert Mbit/s.
Prüfe außerdem:
• Hintergrund-Downloads oder Cloud-Synchronisation
• Windows- oder App-Updates
• Virenscanner, die große Dateien prüfen
• Unbefugte Geräte im Netzwerk
Ein Blick in die Router-Geräteliste zeigt, wie viele Geräte aktuell verbunden sind. In Haushalten mit 20 oder mehr aktiven Verbindungen kann selbst ein schneller Anschluss ins Stocken geraten.
DNS und Netzwerkeinstellungen anpassen
Manchmal liegt die gefühlte Langsamkeit nicht an der Bandbreite, sondern an langsamen DNS-Abfragen. Webseiten öffnen sich dann verzögert, obwohl Downloads normal schnell laufen.
Im Router oder am Endgerät kannst du alternative DNS-Server eintragen. Das kann die Reaktionszeit spürbar verkürzen. Wichtig ist, nach Änderungen einen Neustart durchzuführen, damit neue Einstellungen greifen.
Kabel, Splitter und Anschluss prüfen
Bei DSL- oder Kabelanschlüssen spielen physische Komponenten eine große Rolle. Alte oder beschädigte Kabel verursachen Signalverluste.
Kontrolliere:
• Sitzen alle Kabel fest?
• Ist das DSL- oder Koaxkabel unbeschädigt?
• Gibt es unnötige Verlängerungen?
• Wurde der Router direkt an der ersten Telefondose angeschlossen?
Je direkter der Anschluss, desto stabiler die Verbindung. Verlängerungskabel können Dämpfungen verursachen.
Wenn der Anbieter drosselt oder die Leitung gestört ist
Bleibt das Internet extrem langsam, obwohl dein Heimnetz optimiert ist, solltest du den Anbieter kontaktieren. Notiere dir vorher mehrere Messergebnisse zu unterschiedlichen Tageszeiten.
Wichtig sind dabei:
• Download- und Upload-Werte
• Ping und Jitter
• Uhrzeit der Messung
Starke Geschwindigkeitseinbrüche am Abend deuten auf regionale Überlastung hin. In solchen Fällen kann nur der Anbieter die Situation verbessern.
Router zu alt? Hardware prüfen
Router haben eine Lebensdauer von etwa 4 bis 6 Jahren. Ältere Modelle unterstützen keine modernen Standards und können schnelle Tarife nicht vollständig nutzen.
Typische Anzeichen für veraltete Hardware:
• Kein 5-GHz-WLAN
• Kein Wi-Fi 6
• Nur Fast-Ethernet-Ports (100 Mbit/s)
• Regelmäßige Abstürze
Ein moderner Router kann bei gleichem Tarif spürbar höhere reale Geschwindigkeiten liefern.
Geschwindigkeit langfristig stabil halten
Um dauerhaft hohe Performance zu sichern, helfen regelmäßige Wartung und Kontrolle. Ein monatlicher Neustart, aktuelle Firmware und eine saubere Platzierung sorgen für stabile Werte. Zudem sollte das Netzwerk nicht unnötig mit alten Geräten oder ungesicherten Gastzugängen belastet werden.
Eine stabile Verbindung zeichnet sich nicht nur durch hohe Mbit-Zahlen aus, sondern durch niedrige Latenz, geringe Paketverluste und konstante Datenrate.
Häufige Fragen zum Thema
Warum ist mein Internet nur abends extrem langsam?
Abends sind viele Nutzer gleichzeitig online. In Regionen mit hoher Auslastung kann das Netz überlastet sein. Besonders bei Kabelanschlüssen teilen sich mehrere Haushalte eine Leitung.
Wie viel Mbit brauche ich wirklich?
Für normales Surfen reichen 25 Mbit/s. Streaming in 4K benötigt etwa 25 Mbit/s pro Stream. Für mehrere Personen im Haushalt sind 100 Mbit/s oder mehr sinnvoll.
Hilft ein WLAN-Repeater bei extrem langsamem Internet?
Ein Repeater kann die Reichweite verbessern, halbiert jedoch häufig die Geschwindigkeit, wenn er falsch eingesetzt wird. Besser ist ein Mesh-System mit eigener Backhaul-Verbindung.
Kann ein Virus mein Internet langsamer machen?
Ja, Malware kann im Hintergrund Daten übertragen und Bandbreite verbrauchen. Ein aktueller Virenscan schafft hier Klarheit.
Warum ist WLAN langsamer als LAN?
WLAN ist anfälliger für Störungen durch Wände, andere Netzwerke oder elektrische Geräte. LAN-Verbindungen sind stabiler und liefern meist die volle Geschwindigkeit.
Bringt ein Tarifwechsel automatisch mehr Geschwindigkeit?
Nur wenn die Leitung technisch mehr hergibt. Bei DSL sind physikalische Grenzen durch Leitungslänge entscheidend.
Wie erkenne ich einen Router-Defekt?
Häufige Neustarts, starke Geschwindigkeitsschwankungen oder Verbindungsabbrüche können auf Hardwareprobleme hinweisen.
Sollte ich meinen Router regelmäßig neu starten?
Ein gelegentlicher Neustart kann Speicherprobleme beheben. Ein täglicher Neustart ist jedoch normalerweise nicht nötig.
Fazit
Wenn das Internet extrem langsam ist, liegt die Ursache häufig im Heimnetz und nicht beim Anbieter. Eine strukturierte Überprüfung von WLAN, Router, Kabeln und Endgeräten führt in den meisten Fällen zu einer spürbaren Verbesserung der Geschwindigkeit. Erst wenn LAN-Tests dauerhaft schlechte Werte zeigen, sollte der Anbieter kontaktiert oder über neue Hardware nachgedacht werden. Mit klaren Messwerten, optimierten Einstellungen und moderner Technik lässt sich die Verbindung oft deutlich beschleunigen, ohne zusätzliche Kosten.